Überoutine

​Was? Warum? Wie oft und wie lange?                

​Wie übe ich eigentlich richtig? Ich glaube die Frage hat sich jeder des öfteren gestellt, spätestens wenn man mal wieder ein Lernplateau erreicht hat und das Gefühl hat, es geht irgendwie nicht richtig voran.​​​    

​Heute werden wir mal abstecken, wie eine Überroutine ​​​grob aussehen könnte

Brauche ich überhaupt eine "Überoutine"?

Viele, die einfach nur kreuz und quer üben was sie gerade interessiert, haben das grundlegende Prinzip des Übens nicht verstanden!

Überoutinen dienen nur einem einzigen Zweck:

Probleme zu lösen!

Es geht darum die Hindernisse zwischen meinem Ziel und meinem Jetzt-Zustand durch das Üben zu beseitigen und dadurch immer besser zu werden.


Dabei wird vorher genau definiert wo ich hin will, welche Probleme ich auf dem Weg zu bewältigen habe und wie ich diese systematisch abarbeite (= "üben") und auch tracke, so dass ich immer genau weiss, wo ich gerade im Prozess stehe.

Klar kann ich auch ohne Überoutine "üben", aber das ist in etwa so, als ob ich ohne einen Bauplan zu haben ein Haus bauen möchte und keine Ahnung habe, wie es aussehen soll, welche Funktion es erfüllen soll, wo es stehen soll, wie groß es werden soll, was es kosten wird, etc..

Ich kann natürlich schonmal die Bagger und Handwerker bestellen, Material kaufen und viel Zeit und Geld reinstecken und alles einfach mal irgendwie machen lassen, aber ob ​das ​ultimative Traumhaus dabei herauskommen wird, ist wohl mehr als zweifelhaft.

Deswegen:


"Wer wirklich besser werden will braucht eine Überoutine!"


Gibt es DIE Überoutine?

​Du kannst Dir vielleicht denken, dass die Überroutine eine höchst Individuelle Sache ist.

​Wir alle haben verschiedene Ziele, Erfahrungen, Ressourcen, Wünsche, Bedürfnisse, Bilder & Vorstellungen, Kenntnisse, etc. ​und natürlich auch eine ​unterschiedliche Bereitschaft, Zeit und Energie in die Sache zu stecken!

Während für Profimusiker, die sich auf dem Höhepunkt ihrer Fähigkeiten befinden, 2 -4 Stunden Üben täglich (oft aufgeteilt in eine Morgen- und eine Abendsession) optimal und völlig ausreichend sind, sind für Anfänger 20 Minuten ein paar Tage die Woche völlig normal.

Was sich dazwischen abspielt, also zwischen Anfänger und Profi, kann ganz extreme Ausmaße annehmen. 8, 12, 16 Stunden am Tag über eine gewisse Periode ​hört man immer wieder und sind keine Seltenheit. 

Dann kommt natürlich noch der individuelle Lernstoff hinzu, der höchst unterschiedlich ausfallen kann.

Also kurzum:


​DIE universelle, für alle optimale Überoutine gibt es nicht!


​Wie erstelle ich mir eine Überoutine, die perfekt auf mich zugeschnitten ist?

​Diese Frage ist, meiner Meinung nach, eine der schwersten Aufgaben, die man als angehender Gitarrist zu bewältigen hat!​​​

Warum?

  • Sie erfordert ​gute diagnostische Fähigkeiten, d.h. ich muss objektiv und selbstkritisch meine Schwachstellen benennen und lokalisieren können! Das setzt natürlich voraus, dass ich sie überhaupt erst einmal erkenne, bzw. ​wahrnehme.

  • ​Sie erfordert lernstrategische Fähigkeiten, d.h. das Wissen darüber, was ich wann und wie tun kann, um ein konkretes Problem zu ​lösen.

  • Sie setzt eine gewisse "Reife" voraus​: Zum einen die Fähigkeit, die Dinge ganzheitlich zu sehen, strategisch zu denken und zu planen, die bevorstehenden Herausforderungen realistisch einschätzen zu können, Probleme als Herausforderung zu erkennen und nicht als Ausreden zu nutzen, etc.
    Zum anderen bedarf es der Bereitschaft, alles Nötige dafür zu tun, um seine Ziele auch zu erreichen, sprich:

    Seinem Ziel eine gewisse Priorität zu geben, langfristig, mittel- und kurzfristig zu planen und zu organisieren, Konsequenz, Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen an den Tag zu legen, selbstkritisch​ aber auch neugierig, experimentell und mit Freude an der Sache zu sein und seine Fortschritte und Erfolge feiern und geniessen zu können.

  • Nicht zuletzt muss ich natürlich auch genau wissen: Was will ​ich überhaupt erreichen? Je konkreter, desto besser! Klingt zwar selbstverständlich, ist es aber in den allermeisten Fällen nicht. Die meisten wollen irgendwie "besser" werden und stochern halbherzig hier und da rum, ​ohne auch nur eine Sache wirklich zu meistern.

Du siehst, Gitarrist oder generell Musiker zu werden ist nicht ohne! Es erfordert ein relativ hohes Mass an Hingabe, Weitsicht, Lernbereitschaft und Ehrgeiz!

Kein Wunder also, dass nur die wenigsten ihre musikalischen Ziele erreichen!

Natürlich bestimmt der eigene Anspruch auch den Aufwand. Wenn Du nur ein paar Akkorde für die wöchentliche Lagerfeuer​sitzung Deiner Pfadfinder-Truppe drauf haben willst, dann ​wirst Du Dein Ziel natürlich innerhalb kürzester Zeit erreicht haben.

Aber ich gehe mal davon aus, dass Du als Leser des Revolution Guitar Blogs etwas höhere Ansprüche an Dich selbst hast! 😉


Wie gehe ich also am besten vor?

Falls Du noch blutiger Anfänger sein solltest, empfehle ich Dir sowieso erstmal einen "Offline"-Lehrer zu suchen, der Dir auf die Finger schaut, vielleicht in einer Musikschule in Deiner Nähe, u​m Dir zumindest die Basics sauber draufzuschaffen.

​Falls Du bereits Vollprofi bist, muss ich Dir ja nichts mehr erzählen. 🙂

Also gehe ich einfach mal davon aus, dass Du Dich aktuell irgendwo dazwischen befindest.

​Natürlich werde ich hier nicht alle oben aufgezählten Themen und Voraussetzungen für eine erfolgreiche Überoutine behandeln können, deswegen beschränke ich mich heute lediglich auf die Übebereiche, die auf jeden Fall abgedeckt werden sollten und im Großen und Ganzen für alle gelten, ob fortgeschrittener Anfänger oder Profi​.

Hinweis:

Falls Du bei Dir die o.g. Themen mal beleuchten willst, dann lade Dir am besten die 
"Die größten 10 Fehler, die Du beim Üben machen kannst!" runter (hier klicken!).

Hier gehe ich detaillierter auf die Problematiken ein, die Deine Lernentwicklung maßgeblich behindern können und gebe Tipps, wie Du sie vermeide​n kannst.


Welche Übebereiche sollte ich abdecken?

Grundsätzlich gibt es 8 Übebereiche, die man meiner Meinung nach undbedingt abdecken sollte! Diese sind:

  • Technik
  • Theorie
  • Eartraining (Gehörbildung)
  • Phrasing (Phrasierung)
  • Griffbrettvisualisierung
  • Akkord- und Skalenvokabular
  • Rhythmus
  • Kreative Umsetzung

Hinzu kommen, je nach Interessensgebiet und Notwendigkeit, eventuell noch weitere Bereiche, wie z.B. Repertoire, Soundtools, Blattspiel, Recording, Live Playing Performance, Werkerarbeitung/Interpretation, Körperschulung, Analyse, Musikgeschichte, Improvisation, Komposition, etc.


Alles jeden Tag???

Gott sei Dank nicht, keine Sorge! 🙂

Hier gilt es sich einen Wochenplan zu erstellen, in dem alle Bereiche abgedeckt sind, wobei Du einige Bereiche idealerweise täglich übst, andere wiederum nur alle 2-3 Tage.


W​as muss ich noch beachten?

​Bevor Du ans Planen gehst, ist es wichtig, folgende Punkte ganz klar für Dich zu klären:

  • Welche Priorität hat das Gitarrenspiel für mich?
    Nehme ich mir aktiv die Zeit dafür oder hat jede Fußballübertragung oder ein Anruf der Kumpels zum Bier trinken gehen, die Macht, alle meine Pläne durcheinanderzuwerfen?

  • Wieviel Zeit steht mir realistisch zur Verfügung?
    Wann und wie lange könnte ich theoretisch üben?
    Tipp: Mehrere kleinere Blöcke über den Tag verteilt sind effizienter als ein Mega-Block (siehe z.B. "Guerilla ​Practice")

  • Was ist überhaupt mein Ziel? Was will ich erreichen, wo will ich hin?
    ​​Solange ich nicht weiss wo ich hin will, ​macht es keinen Sinn, den Weg zu planen!

  • ​Lebe ich ausgeglichen und habe genügend Freizeit mit eingeplant?
    ​Es bringt nichts, wenn wir in Aktionismus verfallen, ohnehin schon gestresst sind, uns zu viel vornehmen und ​dann aufgeben, weil wir auf Dauer geistig und körperlich überfordert sind.
     
    ​Sorge dafür, dass sich alle Deine Lebensbreiche wie Gesundheit, Beziehungen, Karriere, Finanzen aber auch Deine Spiritualität, bzw. Sinn im Leben ​einigermassen im Einklang ​befinden.

    ​Ein ausgeglichener Lebensstil ist unabdingbar für Dein Wohlbefinden und somit ​Grundvoraussetzung für Deinen Langzeit-Erfolg als Musiker!
    Beständigkeit und vor allen Dingen Spass sind hier die Schlüsselwörter!

  • Warum will ich überhaupt Gitarre spielen, bzw. Musiker werden?
    Diesen Punkt nicht unterschätzen! Beim "Talent-Märchen" bin ich näher auf bewusste und unbewusste Ziele eingegangen (hier klicken!).
    Will ich es aus Leidenschaft, aus innen heraus, weil ich Musik liebe und sie geniesse oder ​geht es eher um die Anerkennung und Wertschätzung von aussen?
    Bei Letzterem wirst Du wahrscheinlich starken Gegenwind im Prozess verspüren, weil Du diesen nicht geniessen kannst, sondern ​lediglich auf das "Ergebnis" aus bist.

  • Habe ich mir die grössten 10 Fehler beim Üben verinnerlicht und weiß, wie ich sie vermeiden kann?
    Falls nicht, hier klicken! ​Diese Tipps können Dir Jahre des Frustes ersparen!​​​


Wenn das alles geklärt ist, können wir uns ans Planen machen...


Der persönliche Wochenplan!

Dann lass uns mal konkret werden und überlegen, wie der persönliche Wochenplan aussehen könnte!

Wie bereits erwähnt, ist die Überroutine eine sehr individuelle Sache. Um die Sache jetzt nicht zu verkomplizieren, stellen wir uns mal für den Wochenplan eine konkrete Person mit einem mittelfristigen Ziel vor:

Sagen wir es handelt sich um Karsten F. aus P. - 27 Jahre alt, hat gerade fertig studiert und arbeitet jetzt bei einer Werbeagentur als Grafikdesigner.

Privat hält er sich durch joggen und Kraftraining fit, ist seit 4 Jahren mit Hanna zusammen und hat, ach was solls - damit es interessanter wird, mit ihr eine 3 jährige Tochter: Annabel-Karina, um die er sich mit seiner Freundin sehr fürsorglich kümmmert.

So, Karsten spielt auch seit 7 Jahren leidenschaftlich gerne Gitarre, steht total auf Rock, Blues und Metal und hat seit dem letzten Sommer auch eine Band - "Lord of Mantra" mit denen er 2x in der Woche à 2 Stunden probt.

In 6 Monaten findet in P. ein Rockfest statt, wo Karsten mit seiner Band unbedingt mitmachen will. Dafür brauchen sie insgesamt 10 Songs, wobei sie 2 eigene bereits geschrieben haben.

Wie könnte Karstens Überoutine nun aussehen, um sein Ziel in 6 Monaten zu erreichen?


Übebereiche abstecken

​Da Karsten´s Band noch weiter 8 Songs benötigt, kommt in seinem Fall neben den oben bereits erwähnten Übebereichen​ der Bereich Repertoire/Songwriting hinzu. Hier nochmal alle im Überblick:

  • Technik
  • Theorie
  • Eartraining
  • Phrasing
  • Griffbrettvisualisierung
  • Akkord- und Skalenvokabular
  • Rhythmus
  • Kreative Umsetzung
  • Repertoire/Songwriting


​Achtung:

Jetzt könnte man natürlich ​auf die Idee kommen ​sich  zu fragen, ob man wirklich so Dinge wie Eartraining, Rhythmus, Theorie, etc üben muss, wenn man so unter "Zeitdruck" steht.

​Schließlich ist in 6 Monaten der große Auftritt und 8 Songs fehlen. Sollte man sich nicht in der Zeit eher ausschließlich mit Songwriting und Performance​ beschäftigen?

​Zunächst einmal hat man (oder sollte) immer irgendwelche Ziele vor Augen und steht alleine dadurch schon permanent unter "Zeitdruck."

​Und dann gehts es ja nicht darum, auf der Bühne einen Vortrag zu halten, sondern Leute zu bewegen, Emotionen zu erzeugen, Erlebnisse zu erschaffen, Spass zu haben... Kurz: Eine geile Performance zu bieten!

​Was bringt es der Band, wenn zwar alle Songs geschrieben sind, aber der Flow nicht rüberkommt, weil es rhythmisch hinkt, das Phrasing scheiße ist, der Spieler unentspannt und nervös wird, weil er das Griffbrett nicht blind unter Kontrolle hat oder die Akkorde vergessen hat ​und sich Null auf sein Gehör verlassen kann, etc.

​Erst wenn alle Teile "sitzen" und man seinen Kopf während der Performance völlig ausschalten kann, dann fängt die Musik an!


​Priorität & Organisation

​Jetzt gilt es zu klären: Was, wann und wie oft?

Dafür setzt sich Karsten hin und startet eine Art Problemanalyse. Wo liegen aus seiner Sicht die größten Herausforderungen, was sind die größten Probleme, die er zu bewältigen hat?

Karsten hat gemerkt, dass er hier und da mit der Rhythmusgitarre Probleme hat, gerade bei den schnelleren und komplizierteren Riffs, was den Groove natürlich beeinträchtigt.

Dann will er ​ab und zu auch ein Solo aufs Parkett legen, weiß aber, dass er bei schnelleren Stellen mit dem "Alternate Picking" ins Stocken gerät, besonders wenn es über mehrere Saiten geht.

Am Phrasing ist auch noch viel zu tun, besonders wenn es "bluesy" werden soll. Da merkt er, dass z.B. sein "​Bending" nicht akkurat ist. Mal zu flat, mal zu sharp. 

​Dann muß er noch am "Muting" arbeiten, weil gerade beim "Bending" ungewollt andere Saiten mitschwingen und dadurch Störgeräusche verursach​t werden.

Ausserem könnte er sein "Horizont" etwas erweitern, weil er sich gerade beim Solospiel immer in seiner Lieblingsskala und Lieblingsposition auf dem Griffbrett aufhält und dadurch nur wenig Dynamik in das Spiel kommt.

​​Ebenso sollte er die 8 fehlenden Songs ​natürlich nicht vergessen​! Die ​könnten ​auch nochmal eine Herausforderung werden.

​Die wichtigsten Kernpunkte also zusammengefasst:

  • ​Technik
  • ​Rhythmus
  • ​Phrasing
  • ​Skalenvokabular
  • ​Griffbrettvisualisierung
  • Songwriting

Dies sind die 6 Punkte, die in den nächsten 6 Monaten für Karsten die höchste Priorität haben (zumindest auf musikalischer Ebene 😉 ), somit auch mehr Gewicht im Wochenplan kriegen und im Idealfall täglich geübt werden sollten.

Tipp:

Oft kann man mehrere Übebereiche zusammenfassen und gleichzeitig üben und somit Zeit sparen

Bspw. könnte Karsten, wenn er Alternate Picking ​oder auch Phrasing übt, dies mit einer neuen Skala, bzw. neuen Position auf dem Griffbrett üben und hätte somit 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen!

​Organisation

​Jetzt muss ​man nur noch ​klären:

  • was ​​wird wie oft ​geübt​?
  • was kann ich kombinieren?
  • was kann auch "offline" ​geübt werden?
  • ​​wie organisiere ich es in meinem Wochenplan?

Karsten macht es wie folgt:

  • Die ​bereits erwähnten Prioritäten werden jeden Tag geübt, wobei man einige Bereiche auch gleichzeitig üben kann
  • Die Bereiche "Rhythmus", "Griffbrettvisualisierung", "Skalen", "Eartraining", "Theorie" und "Songwriting" kann man wunderbar auch "offline" üben, was den Wochenplan zeitlich deutlich entlastet
  • Der Bereich "Kreative Umsetzung" wird durch seine Bandproben schon abgedeckt, d.h. kann im Wochenplan vernachlässigt werden

Also ​könnte Karsten z.B. folgende Bereiche versuchen, unter einen Hut zu bringen:

  • ​Technik/Skalen
  • ​Phrasing/Skalen
  • Griffbrettvisualisierung /Akkorde
  • Rhythmus
  • Eartraining
  • Theorie
  • Songwriting

Die Übebereiche, die nebeneinander stehen und durch ein Slash "/" getrennt sind, ​können kombiniert, bzw. gleichzeitig geübt werden​.

Wirklich an der Gitarre üben muss Karsten nur "Technik" und "Phrasing" (in Kombination mit neuen Skalen, bzw. Positionen). Den Rest kann er zum größten Teil auch "offline" üben.

​Ok, dann lass mal schauen, wie er das in seinen Wochenplan integrieren könnte...

Power-Tipp:

Unterteile Deine Tagespunkte in eine "MUSS"-Gruppe und eine "KANN"-Gruppe.

Wir wissen nur zu gut, dass es im Alltag oft anders kommt, als man denkt.

Um zu vermeiden, dass wir uns selbst "fertig machen", weil wir es "wieder nicht geschafft" haben, unser Vorhaben durchzuziehen und dadurch leicht in eine Art negative Abwärtsspirale kommen und irgendwann innerlich blockieren, macht es Sinn, die wichtigsten Dinge zuerst zu tun ("MUSS").

So haben wir, selbst wenn wir es mal nicht geschafft haben, alles zu erledigen, trotzdem ein gutes Gefühl und bleiben motiviert, weil wir zumindest die wichtigsten Dinge erledigt haben!


No Go Zeiten

​Jetzt legen wir zuerst einmal alle "No Go"-Zeiten fest, die bereits fest in der Woche verplant sind. Darunter fallen:

  • Arbeitszeit (Mo - Fr von 10:00 - 17:00)
  • Family Zeit (Mo - Fr von 17:30 - 18:30 +  Wochenende)
  • Bandproben (Di von 20:15 - 22:15 + Sa von 17:00 - 19:00)
  • Krafttraining (Mo, Mi, Fr von 19:00 - 19:45)
  • Joggen (täglich von 09:00 - 09:30)
  • Day Off (ganzer Sonntag frei)


Das sieht dann im Wochenplan ungefähr so aus:


Übezeiten festlegen

​Jetzt kann man überlegen, wann man die jeweiligen Übebereiche am besten einplant.

Hierzu ein paar Überlegungen, die man in Betracht ziehen könnte:

  • ​Laut Studien werden Übungen, die eine höhere Konzentration erfordern, besser vormittags gemacht
  • ​Für repetitive Übungen und für alles, was mit der Festigung des Übematerials und Übertragung in das Langzeitgedächtnis zu tun hat, ist der Nachmittag besser geeignet
  • Mehrere Übesessions (auch wenn sie nur kurz sind) sind i.d.R. ​effizienter, als ein massiver Übeblock, sowohl aus Sicht der Informationsverarbeitung, als auch aus Sicht der Motivation
  • Es ist besser die einzelnen Übebereiche nicht in Zeiteinheiten, sondern in Prozente einzuteilen, damit kein Übebereich zu kurz kommt, wenn mal doch weniger Zeit zur Verfügung steht als geplant
  • Versuche Dich, gerade am Anfang bei den "Offline"-Übungen, so gut es geht mit Hilfe von Tools, Remindern, Post-Its, etc. selbst zu unterstützen und an das Üben zu erinnern, damit die Übungen im Alltag nicht untergehen - zumindest solange, bis sie zur Gewohnheit geworden sind! (Dauert i.d.R. 1-2 Monate)
    Tipp: Eine coole und kostenlose App hierfür ist "HabitBull"


​​Eingebaut in den Wochenplan könnte das ungefähr so aussehen:

​Fest eingeplant und blockiert sind bei Karsten lediglich die 90 min. Sessions am Abend (Technik und Phrasing in Kombination mit Skalen und Lagen).

Hinweis:

  • Hier muss natürlich jeder für sich entscheiden, wieviel Zeit er blockieren möchte. Selbst, wenn es nur 10 Minuten sind, Hauptsache ist, dass diese fest geblockte Zeit auch wirklich ​Deine ​persönliche "Prime Time" ist!

    Sprich: keine Ablenkungen, keine Störungen! Sorge dafür, dass ​diese Zeit nur Dir gehört, mit vollem Fokus und höchster Konzentration und kläre das ggf. mit Deiner Familie oder Mitbewohnern ab, da​mit sie Bescheid wissen und Dich in Ruhe lassen.

  • ​Deinen persönlichen Energiepegel ​beachten. Wenn Du weisst, dass Du abends eher sehr müde nach Hause kommt, macht es vielleicht mehr Sinn, die Session in eine Morgen- und eine Abensession aufzuteilen.

    Karsten könnte z.B. etwas früher joggen gehen und eine Teilsession energiegeladen vor der Arbeit einbauen.

Alles andere wurde so in den Alltag integriert, dass es quasi nebenher geübt wird. Konkret könnte es in etwa folgendermaßen ​aussehen:

​​​​Beim Joggen:

  • Eartraining

    ​Er könnte einen inspirierenden Song loopen lassen und versuchen, z.B. ​bestimmte Chord Progressions oder Riffs rauszuhören und zu analysieren und dann zu Hause an der Gitarre sein Ergebnis mit dem Song vergleichen​.

    Falls er noch keinerlei Erfahrung mit dem Thema Eartraining hat, könnte er sich auch Eartraining-Audios anhören und z.B. Intervalle oder Akkordtypen üben.

  • Songwriting

    Ich habe Songwriting jetzt einfach mal bei "Joggen" eingetragen, weil man morgens meist am kreativsten ist und sich von inspirierenden Songs berieseln lassen kann und dadurch oft auf coole Ideen kommt.

    Tatsächlich ist es eher ein Ganztagsprojekt, weil man ja nie weiß, wann einen die Muse küsst und wenn es dann soweit ist, ​empfehle immer das Handy parat haben und die Idee per Sprachaufnahme festzuhalten!

    Bloss nicht den Fehler machen zu denken:
    "Ach das merke ich mir schon!"

    Die Idee ist genauso schnell wieder weg, wie sie gekommen ist! Oh ja... 🙁

Bei der Arbeit:

​Ehmm... üben bei der Arbeit??? - Warum nicht?

Erstens reichen pro Thema 5 - 15 min. und zweitens finden so viele Leute auf wundersame Weise immer wieder die Zeit zu Facebooken, Whatsappen, im Netz zu surfen, ​einzukaufen, Games zu spielen, zu rauchen und zu tratschen... warum die Zeit nicht lieber für etwas sinnvolles nutzen, wie z.B. 

  • Theorie

    Z.B. könnte Karsten sich ein Harmonielehre Ebook auf das Handy laden und immer, wenn gerade nichts zu tun ist, sich mit seinen akuten Themen beschäftigen, wie z.B. Modes, Akkordaufbau, Notation, Funktionen, etc.

  • Rhythmus

    Zum einen findet Karsten im Harmonielehre Buch auch viel zum Thema Rhythmus, zum anderen kann man Rhythmus zum Glück immer und überall üben.

    Beispielsweise hat sich Karsten kürzlich von einem Song inspirieren lassen, der im 13/8 Takt geschrieben war (oder 6/8 und 7/8 im Wechsel) und will den Takt auch unbedingt in einem der neuen Songs benutzen.

    Da der Rhythmus für ihn noch etwas gewöhnungsbedürftig ist, nutzt er jede erdenkliche Situation, um ​ihn zu üben. Er trommelt ihn auf seinem Schoss, auf allen möglichen Gegenständen, spielt ihn ständig im Kopf durch oder "beatboxt" den Rhythmus leise vor sich hin mit seinem Mund, bis er in Fleisch und Blut übergegangen ist.

    Falls einem gar nichts einfällt, kann man sich immer ein paar Rhythmus - Übungen ausdrucken oder auf das Handy laden und in einer freien Minute mal "durchklopfen".

  • Griffbrettvisualisierung

    Hier kann es Sinn machen, immer ein paar ausgedruckte leere Griffbrettdiagramme dabeizuhaben oder sie selber in ein Notizbuch einzuzeichnen und z.B. die frisch gelernten Tonleitern, Arpeggios oder Akkord​e aus dem Harmonielehrebuch auf das Griffbrett einzuzeichnen.

    Man könnte sich auch eigene neue Voicings oder Arpeggios überlegen, die man im nächsten Song ausprobieren könnte.

    ​Eine andere super Übung ist: Man zeichnet einen bestimmten Akkord in allen Lagen über das gesamte Griffbrett ein, ergänzt dann im 2. Schritt den Akkord um die ​dazugehörenden Arpeggiotöne, im 3. Schritt um die Töne der Pentatonik Tonleiter und schließlich im 4. Schritt um die Töne der diatonischen Tonleiter.

    Damit prägt man sich ganz wunderbar den Zusammenhang zwischen Akkorden und Tonleitern auf visueller Ebene ein! ​Mit verschiedenen Tonleitern ausprobieren!

​Du siehst, die optimal Überoutine ist nur eine Frage der Organisation und Kreativität und kann zum größten Teil sogar nebenher erledigt werden. 

Die größte Herausforderung ist am Anfang, sich die Überoutine zur Gewohnheit zu machen! Dies dauert, wie oben schon erwähnt, 1 bis 2 Monate in denen man sich ständig daran erinnern muss.

Hat sich die Routine aber erstmal eingependelt, läuft das Üben fast schon automatisch ab.

Also, bleib am Ball und denke im Zweifelsfalle immer an die Worte von Tim Ferriss:

​"Wer keine Zeit hat, hat keine Proiritäten!"


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